Stimmen für Kinder – Blog

Heute erscheint uns merkwürdig, dass erst 1990 in allen Kantonen der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Aber wir nehmen es hin, dass die meisten Kinder und Jugendlichen bis heute keine Stimme haben. Warum eigentlich?

In meinem kleinen unregelmäßig gefüllten Blog soll es um Stimmen für Kinder gehen; Beiträge, die mit Belangen der Kinder (und der Menschen, die sich für Kinder einsetzen) zu tun haben.

Jugendliche kaufen 30% weniger Bücher – warum?

Eigentlich bin ich kein Pessimist. Ich werde oft gefragt, lesen die Kinder überhaupt noch? Und so Vorlesungen in Schulen, kommt das heutzutage überhaupt noch an? Und ich sage dazu: es gibt bedenkliche Entwicklungen, man muss da was tun, aber es auch richtig einordnen. Ich bin aufgewachsen in der Eifel. Da gab es Haushalte, die hatten genau zwei Bücher (Die Bibel und von Alfred Andersch Winterspelt) und natürlich beide nicht oder kaum gelesen. Der Anteil der Kinder in einer Volksschulklasse, der Bücher las, war kaum höher als heute. (Die Kinder, die nicht lasen, schauten allerdings nicht Videos auf dem Smartphone, sondern spielten zum Beispiel Fußball.)

Also ja, die Kinder von heute (Grundschulkinder) lesen noch. Und mit meinen Lesungen in Schulen  erreiche ich sogar die Kinder, die eigentlich nicht lesen, so sehr, dass ich selbst manchmal staune.

So weit meine persönliche, aus wissenschaftlicher Sicht könnte man sagen „anekdotische“ Erfahrung.

Als Verleger des Verlags Razamba und Mitglied des Börsenvereins des deutschen Buchhandels erhalte ich regelmäßig Statistiken über die Entwicklung des Buchhandels. Meistens macht mich das ein bisschen melancholisch, denn so richtig nach oben gehen die Zahlen schon lange nicht mehr. Aber sie sind normalerweise auch nicht krass schlecht.

Das E-Book, von dem mancher seit zwei Jahrzehnten glaubt, es würde das gedruckte Buch verdrängen, hat seinen Marktanteil von 2020 bis 2025 von 6,0% auf 6,3% gesteigert. Die Titelproduktion (Neuerscheinungen also) ist im gleichen Zeitraum extrem gesunken, von 69180 auf gerade mal 52644. (Aber erstens stellt sich die Frage, ob das wirklich ein Verlust ist, und zweitens befürchte ich, dass da nicht einberechnet ist der KI-generierte Schrott, der neuerdings den menschgemachten Schrott ersetzt.)

Das Kinderbuch hat mal wieder ein leichtes Umsatz-Minus im Vergleich zum Vorjahr (-2,4%). Eine Steigerung hätte ich schöner gefunden, aber das liegt alles im Rahmen, und meine Bücher und die Bücher meines Verlags verkaufen sich ganz ordentlich, bzw. würden sich sehr gut verkaufen, wenn der wichtige Großhändler Zeitfracht etwas schneller auf Bestellungen reagieren würde  (Zeitfracht – das ist das Unternehmen, das in der Branche mit einem hochdotierten Kinderbuchpreis Aufsehen erregt hat.)

Insgesamt also, ich betrachte die Statistik und meine eigenen Erfahrungen, läuft alles so normal mittelschlecht bis mittelgut, leine besonderen Vorkommnisse in den Jahren 2025 und 2026.

Aber da gibt es eine Zahl in der Statistik des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, die steht da so im Raum ganz unkommentiert, die ist krass, die kann ich nicht einordnen, ich verstehe sie nicht. Und zwar: Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren haben im Jahr 2025 weniger Bücher gekauft als im Jahr zuvor – mämlich minus 30,6%. Die Differenz ist so krass, dass ich sie mir eigentlich nur durch so eine Art Harry-Potter-Effekt erklären kann. Gab es 2024 einen New-Adult-Hit, von dem ich nichts weiß?

(Nicht nur) Hessen kürzt bei der Bildung

Hessen kürzt bei der Bildung für Kinder und Jugendliche. Nicht nur Hessen, aber da ich in Offenbach am Main in Hessen lebe, fällt es mir hier besonders auf. Offenbach ist von diesen Kürzungen stark betroffen – Sprachkitas, Gesamtschulen … viele wichtige Stellen fallen weg. Manches soll zwar laut Landesregierung irgendwie ersetzt werden, durch neue Förderungen, durch Kompetenzzentren. Aber bestehende Strukturen sind in Gefahr. Absicht? Auf jeden Fall spart ein Kompetenzzentrum anstelle von (durchaus kompetenten) Personal erst einmal Geld.

Jetzt kann man natürlich sagen, alle müssen sparen, aber da Kinder kein Stimmrecht haben, sind sie erstens leichtes Opfer und brauchen unsere Stimme. Und zweitens wird an der falschen Stelle gespart, denn Ausgaben in Bildung, Sprachförderung und Integration zahlen sich sehr bald aus.

Um nicht zu sehr Offenbacher Lokalpatriot zu sein, verlinke ich hier die Streichliste für Wiesbaden.

Pedibus – sinnvoll oder nicht?

In Frankreich habe ich neulich das Schild „Pedibus“ entdeckt. Es handelt sich um die Haltestelle einer organisierten Gruppe von Kindern, die gemeinsam mit einer erwachsenen Begleitperson zu Fuß zur Schule oder zum Kindergarten geht. Die Begleitung folgt einer festen Route mit vereinbarten Stationen. Ziel des Pedibus ist es, den Autoverkehr durch Elterntaxis zu reduzieren, die Bewegung der Kinder zu fördern und den Schulweg sicherer zu machen. Das Konzept ist im deutschen Sprachraum besonders in der Schweiz und in Österreich bekannt.

„Tolle Sache“ fand ich auf den ersten Blick. Dann wurde ich nachdenklich. Besser als Elterntaxi ist es allemal. Aber bis zu welchem Alter brauchen Kinder die erwachsene Begleitung? Werden sie selbständig auf diese Weise? Grundschulkinder jedenfalls können mehr als viele Erwachsene ihnen zutrauen. Marco Hüttenmoser kritsierte den Pedibus  2010 mit guten Argumenten. Ob es auch heute noch zutrifftt, dass rund 80 Prozent der Schweizer Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule gehen, weiß ich allerdings nicht.

Kinder und Bildschirme – was Lehrer und Eltern nicht wissen

Oft haben wir Angst vor den falschen Dingen. Smartphones und ähnliche Geräte werden eingesetzt um Kinder zu überwachen im Glauben, die Gefahren lägen in der Welt dort draußen. Doch Schlimmeres droht unbeobachtet im Schlafzimmer.

Digitaltrainer Daniel Wolff lässt uns im Podcast Akademiegespräche teilhaben an seinen Eindrücken über den Medienkonsum unserer Schülerinnen und Schüler – Hintergründe und konkrete Empfehlungen über die private und schulische Nutzung von Smartphones, Tablets und Spielekonsolen, die Sie so sicherlich noch nicht gehört haben.

Was hat sich verändert in den Schulen?

Oft wird beklagt, die Kinder seien heute so viel schwieriger als früher. In den Schulen, die ich besuche, höre ich allerdings häufiger Beschwerden über die Umstände als über die Kinder. In einem Beitrag der Jungle World erzählt eine Förderschullehrerin von ihrem Arbeitsalltag.