Jugendliche kaufen 30% weniger Bücher – warum?
Eigentlich bin ich kein Pessimist. Ich werde oft gefragt, lesen die Kinder überhaupt noch? Und so Vorlesungen in Schulen, kommt das heutzutage überhaupt noch an? Und ich sage dazu: es gibt bedenkliche Entwicklungen, man muss da was tun, aber es auch richtig einordnen. Ich bin aufgewachsen in der Eifel. Da gab es Haushalte, die hatten genau zwei Bücher (Die Bibel und von Alfred Andersch Winterspelt) und natürlich beide nicht oder kaum gelesen. Der Anteil der Kinder in einer Volksschulklasse, der Bücher las, war kaum höher als heute. (Die Kinder, die nicht lasen, schauten allerdings nicht Videos auf dem Smartphone, sondern spielten zum Beispiel Fußball.)
Also ja, die Kinder von heute (Grundschulkinder) lesen noch. Und mit meinen Lesungen in Schulen erreiche ich sogar die Kinder, die eigentlich nicht lesen, so sehr, dass ich selbst manchmal staune.
So weit meine persönliche, aus wissenschaftlicher Sicht könnte man sagen „anekdotische“ Erfahrung.
Als Verleger des Verlags Razamba und Mitglied des Börsenvereins des deutschen Buchhandels erhalte ich regelmäßig Statistiken über die Entwicklung des Buchhandels. Meistens macht mich das ein bisschen melankolisch, denn so richtig nach oben gehen die Zahlen schon lange nicht mehr. Aber sie sind normalerweise auch nicht krass schlecht.
Das E-Book, von dem mancher seit zwei Jahrzehnten glaubt, es würde das gedruckte Buch verdrängen, hat seinen Marktanteil von 2020 bis 2025 von 6,0% auf 6,3% gesteigert. Die Titelproduktion (Neuerscheinungen also) ist im gleichen Zeitraum extrem gesunken, von 69180 auf gerade mal 52644. (Aber erstens stellt sich die Frage, ob das wirklich ein Verlust ist, und zweitens befürchte ich, dass da nicht einberechnet ist der KI-generierte Schrott, der neuerdings den menschgemachten Schrott ersetzt.)
Das Kinderbuch hat mal wieder ein leichtes Umsatz-Minus im Vergleich zum Vorjahr (-2,4%). Eine Steigerung hätte ich schöner gefunden, aber das liegt alles im Rahmen, und meine Bücher und die Bücher meines Verlags verkaufen sich ganz ordentlich, bzw. würden sich sehr gut verkaufen, wenn der wichtige Großhändler Zeitfracht etwas schneller auf Bestellungen reagieren würde (Zeitfracht – das ist das Unternehmen, das mit einem hochdotierten Kinderbuchpreis Aufsehen erregt hat.)
Insgwsamt also, ich betrachte die Statistik und meine eigenen Erfahrungen, läuft alles so normal mittelschlecht bis mittelgut, leine besonderen Vorkommnisse in den Jahren 2025 und 2026.
Aber da gibt es eine Zahl in der Statistik des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, die steht da so im Raum ganz unkommentiert, die ist krass, die kann ich nicht einordnen, ich verstehe sie nicht. Und zwar: Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren haben im Jahr 2025 weniger Bücher gekauft als im Jahr zuvor – mämlich minus 30,6%. Die Differenz ist so krass, dass ich sie mir eigentlich nur durch so eine Art Harry-Potter-Effekt erklären kann. Gab es 2024 einen New-Adult-Hit, von dem ich nichts weiß?
